Umzüge
1897 - 1905
Erstmals im Jahre 1897 beschloss die Gesellschaft, sich am grossen Fritschizug "Nord Süd" aktiv zu beteiligen. Vom OK wurde uns das Thema "Am Hofe Meneliks" zugewiesen, und diese allseitig bewunderte Glanzgruppe verhalf der Gesellschaft mit einem Male zu einer angesehenen Stellung im Luzerner Vereinsleben. Der Name Fidelitas war von nun an untrennbar mit der Luzerner Fasnacht verknüpft. Die anlässlich dieses Fritschizuges geernteten Lorbeeren liessen die junge Gesellschaft nicht ruhen. Weil in den nächsten Jahren von der Safranzunft kein Umug gestaltet wurde, beschloss man, auf eigene Faust ein Umzügli zu starten. So trat die Gesellschaft Fidelitas am Schmtzigen Donnestag 1903 mit einer eigenen Gruppe "Zirkus Barnum" auf, und zwar mit Mann, Ross und Wagen. Auch dieses Unternehmen erwies sich als ein Volltreffer, welcher wiederum zu neuen Taten anspornte. Hiezu bot sich schon im Jahre 1905 Gelegenheit. Das Sujet des damaligen Fritschizuges lautete: "Schillerhuldigung". Unsere Gesellschaft glänzte dabei mit der Guppe "Wallensteins Lager".
1922 - 1939
Siebzehn Jahre sollte es aber dauern, bis 1922 die Strassen Luzerns wieder einen Fritschizug zu sehen bekamen. Wiederum stellte die Gesellschaft ihre Mannen, 35 an der Zahl, unter dem Motto "Müllerzunft in der Biedermeierzeit" zu einer teilweise berittenen Gruppe zusammen. Bei dieser Gelegenheit wurde das erste Mal die neue Gesellschaftsfahne mitgeführt.
Noch im Laufe des gleichen Jahres erhielt die Gesellschaft eine neue, schwere, aber äusserst dankbare Aufgabe. Es wurde ihr die Ehre zuteil, am grossen Festzug des Eidg. Sängerfestes in Luzern die Schluss- und Prachtgruppe "Huldigung an die Musik" mit dem Apollowagen zu gestalten. Unter der Leitung von Stubenmeister Oskar Meyer wurde diese Aufgabe einmal mehr mit Bravour gelöst.
Besonders der Wagen Apollos war das Glanzstück des ganzen Festzuges und wurde damals weit über die Grenzen unseres Kantons berühmt. Die Gesellschaft stellte hierzu 25 Damen, 38 Herren und 25 Pferde. Allerdings waren die Kosten enorm, aber der Opferwille der Gesellschaft überwand auch diese dreitausendfränkige Klippe.
Als sich im Jahre 1926 die Vereinigung zur Förderung der versandeten Luzerner Fasnacht bildete, war es unsere Gesellschaft, welche sich mit Ideen und Finanzen stark einsetzte.
Es seien aus dieser Zeit folgende Schaunummern in Erinnerung gerufen:
| 1926 |
Umzugsmotto: Arbeit und Narretei |
| 1927 | Der grosse Wagen: Hollywood-Filmgrössen |
| 1928 | Der vielbeachtete Wagen "Fasnachtsmönsch", auch kurz genannt "Der Speuzer" |
| 1930 | Motto: Vagabundenkongress Die Fidelitas stellte die Wagen- und Fahnengruppe "Entlausungsanstalt" |
| 1934 | Motto: Luzern als Geldschwemme Die Fidelitasgruppe stellte den Regierungsrat und Stadtrat dar und präsentierte eine Kutsche voll hochnäsiger Fremder mit dem "Podex" als Gesicht |
Schliesslich sei noch festgehalten, dass sich unsere Gesellschaft am grossen Festzug der kantonalen Zentenarfeier von 1932 mit der 25 Mann starken Gruppe "Weinleute" sowie am Umzuge des Eidg. Schützenfestes von 1939 mit der Gruppe Pfeilmacher oder Pfeilschifter beteiligte.
1940 - 1945
Im Zweiten Weltkrieg blieben die grossen Umzüge aus, aber schon 1946 wurde die zweite Tradition wieder aufgenommen.
1950 - 1964
Aus der Vielzahl der Umzugsnummern verschiedener Jahre seien einige aufwendige und damals aktuelle Glanznummern aus den fünziger Jahren vermerkt:
- Finanzkrise der Stansstad-Engelberg-Bahn
- Armee-Reform: der Geist von Sils
- Untergang des Stalinismus
- Aufstockung der Stadtpolizei durch Politessen
All diese Umzugsgruppen bestanden aus einem oder mehreren Wagen und 30 bis 40 Mann Fussvolk! Oft wurde die letzten Tage und Nächte vor der Fasnacht durchgearbeitet, um möglichst perfekte Präsentationen zu zeigen. Um die "Chrampfer" bei guter Laune und bei guter Kondition zu erhalten, sorgten andere Fidelitässler für Tranksame und Verpflegung: Echter Fidelitasgeist. Erwähnt sei auch das Mitmachen unserer Gesellschaft an der EXPO 1964 in Lausanne anlässlich des Luzerner Tages. Da trat die Fidelitas als fremde Gäste und Hotelportiers mit der legendären "Mathilde", dem Elektromobil des Hotel Schweizerhof, in Aktion. Bergauf ging diesem Gefährt jedes Mal der Schnauf aus, so dass ausgestiegen und geschoben werden musste.
1976 - 1992
Unvergessen bleiben die grossartig gestalteten Sujets, die unter der Leitung unseres Gesellschafters und Künstlers Theo Bonorand entstanden:
| 1976 | "Büttenen Kühe" Rechtsstreit um das Kuhglockengebimmel im Büttenen-Quartier, nachdem die Anwohner anscheinend nicht mehr schlafen konnten |
| 1977 | "Die neue Banknote" Die Fidelitas führte eine neue Hunderternote ein |
| 1978 | "Swiss Lady, Elisabeth die Erste" Elisabeth Blunschi als erste Frau Präsidentin des Eidg. Parlamentes |
| 1979 | "Muppet Show" nach der bekannten TV-Serie |
Absoluter Höhepunkt des Geburtstagsfestes der achthundertjährigen Stadt Luzern war 1978 der grosse historische Festzug. Unser Gesellschafter Max Baumann gestaltete nicht nur den gesamten Umzug, sondern auch unser Thema "Die Habsburger". Die Fidelitas zeigte sich mit einem von fünf Brauerei-Pferden gezogenen Prunkwagen voller Ritter, Knappen, Burgfräuleins und Musikanten sowie einem Strassenballett. Das Ballett wurde von Rita Maeder, Gattin des leider allzu früh verstorbenen Fidelitässlers Ferdi Maeder, geschaffen und einstudiert.
Die Fidelitas stellte 1986 eine Gruppe "Sonderbundskrieg" beim grossen Umzug "600 Jahre Stadt und Land Luzern", einer Gedenkveranstaltung zur Schlacht bei Sempach. Im Jubeljahr 1991 nahm unsere Gesellschaft am grossen Festumzug des Eidg. Turnfestes mit einer Bauernhochzeit teil. Aber auch an der "Arena Helvetica" in Stans wusste sie sich in Szene zu setzen. Sie stellte die feindlichen Ritter der Eidgenossen für die Schlacht beim Sempach. Die Akteure gerieten beim Kriegsspiel aber so sehr in Feuer, dass der Friede nur mit einigen Runden Bier wieder hergestellt werden konnte.
Aber auch ohne Jubiläen und sonstige Festivitäten wird alle Jahre wieder unverdrossen für die Fasnachtsumzüge gebastelt, geklebt und gemalt, dass es seine Freude hat. Manch hochkarätige Nummer entstand und wird weiter in der Umzugsküche der FIDELITAS LUCERNENSIS entstehen. Es gibt viele gute Gründe, dieses löbliche Tun zum Ergötzen des Luzerner Fasnachtspublikums und zur Stärkung unserer Gesellschaft fortzusetzen.
