Bälle
Fidelitas-Bälle - magische Faszination für Generationen Luzernerinnen und Luzerner, Heimweh-Luzerner und Gäste unserer Stadt - Tummelplatz der ausgelassenen Freude und Treffpunkt von Galanterie mit phantastischen, phantasievollen Maskenkostümen!
1893 - 1897
Maskenbälle - das ist eine Art, Fasnacht zu leben und zu erleben. Dieses Wissen scheint der jungen Fidelitas schon in die Wiege gelegt worden zu sein. Bereits im ersten Jahr nach der Gründung, und dann regelmässig alljährlich ab 1897, wurden im Hotel Rütli Bööggensitzungen, Fasnachtsveranstaltungen, "kleine" oder Familien-Maskenbälle abgehalten. All diese Bezeichnungen werden in den alten Protokollen für vermutlich immer den gleichen Anlass verwendet. Wann diese oben angeführte Regelmässigkeit aufhörte, kann nicht genau ermittelt werden. Sicher ist aber, dass solches Fasnachtstreiben auch später oftmals als Zusatz- oder Ersatz-Anlässe durchgeführt wurde. Soweit feststellbar, seien diese fasnächtlichen Aktivitäten immer selbsttragend gewesen.
1903 - 1905
Um die Jahrhundertwende muss die "SOCIETE FIDELITAS NON PLUS ULTRA" in fasnächtlichen Dingen sehr aktiv gewesen sein: Nebst Umzügen, eigenen und Teilnahme an solchen der Zunft zu Safran, "kleinen" Bällen, wurde auch der "grosse" Fidelitas-Ball, damals am Güdismontag, ins Leben gerufen. So wollte man bereits 1903 einen öffentlichen Maskenball aufziehen, der aber von den Behörden nicht bewilligt worden sei. Andere Quellen behaupten allerdings, die Brüder seien sich nicht ganz einig gewesen, und die Vorarbeiten hätten zu lange gedauert.
Ein Jahr später aber fand der erste grosse Maskenball der Fidelitas im Hotel Union statt. Das unternehmungslustige Publikum nahm die damals seltene Gelegenheit eines Tanzvergnügens wahr und kam in Scharen. Der Erfolg gab den Initianten mehr als recht. Der Ball erbrachte der Gesellschaftskasse einen Überschuss von 518 Franken. Er verpflichtete aber auch zu weiteren Taten.
Bereits für den zweiten Ball von 1905 besann man sich auch auf Wohltätigkeit. Ein Teil des Überschusses sollte entsprechenden Institutionen zugute kommen. Leider aber erfüllte das finanzielle Ergebnis die Erwartungen nicht. Ganze 4 Franken verblieb den Veranstaltern. Ob eine zu geringe Anteilnahme von seiten der Gesellschafter vorlag - gemäss vorliegender Orientierung über die Bälle von 1905 musste tüchtig and das "Pflichtgefühl appelliert" werden - oder ob die Beteiligung von Ballbesuchern zu klein war, bleibe dahingestellt. Die Idee, gemeinnützige Organisationen zu unterstützen, wurde aber nicht aufgegeben.
1904 - 1914
Die Fidelitas-Bälle, grosser Maskenball genannt, folgten sich trotzdem in ununterbrochener Reihenfolge mit unterschiedlichen Ergebnissen bis 1914. Die Eintrittspreise betrugen damals 3 Franken; die Gesellschafter hatten nur 2 Franken zu berappen. Später wurde den Mitgliedern der Eintritt ganz erlassen und für maskierte Damen auf 2 Franken reduziert. War anfänglich das Hotel Union Ball-Lokal, wechselte man 1906 in den Kursaal, wo die Bälle bis 1939 mit einer Ausnahme durchgeführt wurden. 1911 nämlich wurde der Kursaal umgebaut, deshalb ging der grosse Maskenball im Hotel Rütli über die Bühne.
1915 - 1919
Während den Kriegsjahren wurden keine Bälle abgehalten, da sich ja viele Gesellschafter und Gäste im Militärdienst befanden.
1920 - 1933
Warum der erste Fidelitasball nach dem 1. Weltkrieg 1920 im Union abgehalten wurde, kann nicht mehr festgestellt werden. Die 9 nächsten Bälle bis 1933 fanden nämlich wieder im Kursaal statt. Dass Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre nicht jedes Jahr Maskenbälle durchgeführt wurden, dürfte vermutlich eine Folge der damaligen Krisenzeit sein, in der die Menschen das Geld für andere Zwecke nötiger hatten.
1933 - 1949
In dieser Zeit verband sich die Fidelitas für die Durchführung der Bälle mit der Allg. Musikgesellschaft und der Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern in dem Sinne, dass AMG und MLG jeweils den Ball am Schmutzigen Donnerstag organisierten, während die Fidelitas ihren Ball am Güdismontag in den gleichen Räumen mit gleicher Dekoration und zu den gleichen Eintrittspreisen abhielt. Gewinne und Defizite, auch solche gab es, wurden nach einem festgelegten, komplizierten Schlüssel verteilt. 1935 wurde erstmals das Kunsthaus zum Ball-Lokal: 1936-38 wechselte man in den Kursaal und 1939 wieder ins Kunsthaus. 1940 und 1941 gab es kriegsbedingt wieder einen Unterbruch im grossen Maskenballgeschehen. Einerseits hatte der hohe Regierungsrat die allgemeine Strassenfasnacht untersagt, andererseits war das Kunsthaus militärisch belegt. Die Fidelitas führte aber als Ersatz im Rütli Familienbälle durch, die auch von Aussenstehenden besucht werden durften.
1942 konnte dann im Kunsthaus der grosse Fidelitas-Jubiläumsball zum 50jährigen Bestehen der Fidelitas Luzern abgehalten werden. Dazu waren Sonderbewilligungen nötig. Ein paar Zahlen über diesen Anlass mögen sicher zum Schmunzeln anregen und die damalige (Preis-)Situation beleuchten: 673 Damen- und 647 Herrenbillette wurden verkauft. Die Stadt kassierte die Billetsteuer im Betrage von Fr. 394.70, Fr. 300-- für die Saalmiete und Fr. 30.-- für die Tanzbewilligung.
Die beiden Musiken "Tiger Kiddies" und "Swiss Boys" verlangten zusammen Fr. 542.50 für pausenloses Musizieren von abends acht bis morgens sechs Uhr! Fr. 363.-- wurden für die Werbung ausgegeben und Fr. 22.--für den Securitas-Bewachungsdienst. Neben vielen weiteren Auslagen für diesen Ball wie Dekorationen, Verköstigungen, Ablieferung an die Gesellschaftskasse u.a.m. wurde auch noch der Wohltätigkeit gedacht: Fr. 10.-- erhielt die Schweiz. Nationalspende, und Fr. 10.-- gingen als Beitrag an die Schweizer Hilfe für kriegsgeschädigte Auslandkinder!
Zum Vergleich ist allerdings zu beachten, dass ein Nachtessen mit Brot für die Musikanten Fr. 2.80 kostete, 1 Bier Fr. -.30 und 1 Flasche 7/10 Château-Neuf-du-Pâpe 1934 Fr. 5.--.
1934/44 wurden "nur" Rütli-Kostüm-Bälle abgehalten, weil Maskenbälle verboten waren, da man höheren Orts annahm, fremde Geheimdienste und Fröntler könnten die Maskentarnung für ihre Tätigkeiten nutzen. Auch die ersten grossen, wieder gemeinsamen AMG/MLG/Fidelitas-Bälle 1945 im Kunsthaus wurden nur als Kostümbälle zugelassen.
Ab 1946 war dann die Welt scheinbar wieder in Ordnung. Die Balltradition lebte von neuem auf, und die oben geschilderten, gemeinsamen Maskenbälle gingen noch bis 1949 über die Bühne und die Kunsthaus-Säle.
1950 - 1972
Die Gesellschaft übernahm von 1950 an das Zepter über beide Bälle in alleiniger Regie und führte am Güdisdienstag auch noch die Uuslumpete ein. Bis 1972 wurden die "Fidelitas-Bälle im Kunsthaus" zum Inbegriff fasnächtlichen Ballgeschehens und zogen Fasnachtbegeisterte zuhauf an. Der tolle Ruf unserer Bälle ging gar über unsere Landesgrenze hinaus. Die Ballerlöse stiegen und damit auch die Vergabungen an wohltätige Institutionen, bis zu 5000 Franken an einzelne Institutionen, getreu der früher festgelegten Devise.
Grossartig und in jeder Hinsicht Kunstwerke waren in den 50er und 60er Jahren die Saal-Dekorationen des Stadttheater-Bühnenbildners Josef Rottensteiner. Man müsste gesehen haben, wie er nach sorgfältig gezeichneten Skizzen mit einem grossen Besen auf riesige Papierbahnen schwungvoll und in Windeseile die Farben auftrug und dann damit das ganze Kusthaus in phantastische Märchenlandschaften, Höhlen, alte Marktplätze und ähnliches verzauberte.
1972 - 1992
Um 1972 begann sich eine Trendwende abzuzeichnen. Zuerst stagnierten, dann sanken die Besucherzahlen, die Konsumationen gingen zurück, die Mineralwasserwelle breitete sich aus, die Preise für Ballorchester stiegen ins Uferlose, und modernere Dekorationen kosteten, vor allem bis sie aufgehängt waren, ein Mehrfaches der früheren. Gleichzeitig wollte die neugegründete Kunsthaus-AG, die das Kunsthaus-Restaurant aus verständlichen Gründen zum Blühen bringen musste, den den Veranstaltern zugebilligten Beitrag auf die Hälfte reduzieren. Diese Aussichten waren dem damaligen Ballkomitee unerträglich. Nach zähen Verhandlungen ohne gegenseitiges Entgegenkommen suchte man nach neuen Lösungen. Das Ballkomitee wurde mit dem Kursaal-Casino handelseinig. Eine ao. GV der Gesellschaft FIDELITAS LUCERNENSIS segnete den Vertrag mit einer Gegenstimme ab, und das seit Kriegsende bis anhin winters geschlossene Haus öffnete uns seine Türen.
Die 3 Fidelitas-Bälle im Casino zeigten anfänglich wieder grosse Anziehungskraft - der Kursaal platzte buchstäblich "aus allen Nähten", so dass die Verantwortlichen für 1974 bereits an Eintrittsbeschränkungen dachen. Die Situation entschärfte sich - leider - von selbst. Die Trendwende zugunsten der Strassenfasnacht setzte sich durch, und die Besucher kamen weit weniger zahlreich. Vor allem die Uuslumpete am Güdisdienstag litt unter dem aufkommenden Guuggenmusig-Monsterkonzert auf dem Mühleplatz und musste 1975 fallen gelassen werden. An deren Selle wurde 1978 am Samstag zwischen Schmutzigen Donnerstag und Güdismontag der Lucernensis-Ball aufgezogen, der sich gut anliess. 1980 wurde dieser Ball in Füdlibürger-Ball und 1988 in FILU-Ball umbenannt.
Sinkende Besucherzahlen und weiter steigende Preise, vor allem für renommierte Ball-Orchester (Fr. 8000.-- und mehr pro Abend), liessen 1986 auch den Schmutzig-Donnerstag-Ball, bekannt unter dem Namen "Ball der Fasnächtler", sterben. Ein neuerlicher Umzug 1987 ins Kunsthaus brachte auch keinen Umschwung, und so ging man wieder in den Kursaal zurück.
Zwar sind gegenwärtig die eigentlichen Fasnachts-Bälle nicht mehr so gefragt wie früher. Zurzeit sind die Vorfasnachts-Bälle hauptsächlich bei der Jugend "in", während an den eigentlichen Fasnachtstagen Strassenfasnacht Trumpf ist. Doch schlägt in allen Lebensbereichen das Pendel immer wieder auf die andere Seite; es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch für die Fidelitas-Bälle wieder bessere Zeiten anbrechen werden.
Wenn auch die FIDELITAS LUCERNENSIS nie die Bedeutung historischer Luzerner Gesellschaften und Zünfte erreichte, vielerorts sogar als Geheimbund empfunden wurde, mit dem Luzerner Fasnachts-Ball-Geschehen bleibt der Name FIDELITAS prägend und untrennbar verbunden.
